Ankaras Rüstungsambitionen

Die Türkei entwickelt sich gerade zum rüstungstechnischen Selbstversorger — mit Erfolg. Türkische Drohnen werden im Ausland gelobt. Statt von anderen abhängig zu sein, will Ankara sich selbst zum Rüstungsexporteur machen. Und mit militärischer Schlagkraft seinen Status als Regionalmacht ausbauen.

Statt auf Soft Power setzt die Türkei auf militärische Schlagkraft — am liebsten aus Eigenproduktion. Gewehre beziehen sie allerdings bislang noch aus Deutschland. (picture alliance / Anadolu / Evren Atalay )

Mit patriotischen Parolen und dramatischer Musik wirbt die türkische Firma Baykar Makina für ihr erfolgreichstes Produkt: die Drohne Bayraktar TB2. Hauptabnehmer für die unbemannten Fluggeräte, die auch Waffen tragen können, ist die türkische Armee, die Dutzende davon in ihren Arsenalen hat. Die Streitkräfte setzen die TB2 und andere Drohnen auf mehreren Schlachtfeldern ein.

Türkische Kampfdrohnen zerstörten bei Gefechten gegen syrische Truppen in der Provinz Idlib im März nach Angaben aus Ankara viele Panzer und Artilleriestellungen des Gegners und trugen entscheidend dazu bei, einen Vormarsch der syrischen Armee zu stoppen.

Eine neue Stärke der türkischen Streitkräfte: Drohnen (picture alliance / Anadolu / Muhammed Enes Yildirim)

Ein unglaublicher Erfolg sei das, jubelten regierungsnahe Medien in der Türkei nach dem Einsatz der Drohnen. Kein anderer Staat in der Region mit Ausnahme Israels könne moderne Drohnen so wirkungsvoll einsetzen wie die Türkei. Aus Dankbarkeit soll ein syrischer Regierungsgegner einigen Berichten zufolge sogar sein neugeborenes Kind „Bayraktar“ genannt haben.

Die TB2 sei von der türkischen Armee mit Erfolg gegen Extremisten im eigenen Land sowie bei Feldzügen in Syrien und im Irak eingesetzt worden, heißt es im Werbeclip von Baykar Makina. Dazu werden Videoaufnahmen von Bombenabwürfen und Explosionen gezeigt.

„Israel Defense“ lobt türkische Drohnen

Auch in Libyen kommen türkische Drohnen zum Einsatz. Die Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan hat sie in das nordafrikanische Land geschickt, um die Einheitsregierung in Tripolis im Kampf gegen die Truppen des Rebellengenerals Khalifa Haftar zu unterstützen. Mit den Rüstungslieferungen an Libyen verstößt die Türkei nach Meinung von Kritikern zwar gegen das Waffenembargo der Vereinten Nationen.

Doch Libyen ist längst zum Schlachtfeld eines Konflikts vieler regionaler Mächte geworden. So erhält Rebellengeneral Haftar unter anderem Militärhilfe von den Vereinigten Arabischen Emiraten, ebenfalls in Form von Drohnen. Die UNO schaut bei diesem Konflikt der Regionalmächte bisher machtlos zu.

Zu den rivalisierenden Staaten im östlichen Mittelmeerraum gehören auch Ägypten, Israel, Griechenland und Zypern. In der Region wird die militärische Qualität der türkischen Drohnen durchaus anerkannt.

Die Bayraktar TB2 sei international eine der besten Drohnen ihrer Klasse, urteilte etwa die israelische Fachzeitschrift „Israel Defense“ in einer Analyse des türkischen Einsatzes in Libyen.

USA wollten nicht liefern, Türkei baute selbst

Die Türkei habe bei der Herstellung der Drohnen große Fortschritte gemacht, betonte auch Erdogan im vergangenen Jahr in einer Rede vor Absolventen der türkischen Militärakademie: „Alle meine früheren Verhandlungen mit amerikanischen Präsidenten sind gescheitert. Sie wollten mir keine unbewaffneten Drohnen verkaufen — und Kampfdrohnen schon gar nicht. Aber wir haben aus der Not eine Tugend gemacht. Heute stellen wir unbewaffnete und bewaffnete Drohnen selbst her und werden die Qualität in den kommenden Monaten noch weiter steigern.“

Auf den ersten Blick mag diese Ankündigung verwundern. Schließlich war die Türkei im Westen lange Zeit als ein Land bekannt, das zwar eine große Armee hat, bei der Ausrüstung seiner Soldaten aber größtenteils auf Importe angewiesen ist, unter anderem aus Deutschland.

Im Westen sind Waffenlieferungen an den Partner an der Südostflanke der NATO häufig umstritten. Auch in Deutschland lösten Rüstungsanfragen der Türkei in der Vergangenheit immer wieder politischen Streit aus. So stürzte der Wunsch nach Lieferung von modernen Kampfpanzern vom Typ Leopard vor 20 Jahren die damalige rot-grüne Bundesregierung in eine Krise. Heute kauft die Türkei in Deutschland vor allem U-Boote, die sie nicht selbst herstellen kann.

Die Schwierigkeiten der Türkei, moderne Rüstungsgüter aus dem Westen zu erhalten, waren ein wichtiger Grund dafür, dass sich die Türkei auf die Entwicklung eigener Waffen und auch Drohnen verlegte.

„Aufhalten könnt ihr die Türkei niemals“

Erdogan berichtete vor einigen Monaten, dass er sich nach dem Nein der USA zur Lieferung von Drohnen an Israel gewandt habe, doch es gab so große Differenzen zwischen den beiden Staaten, dass die Türkei das Geschäft am Ende stornierte: „Weil wir im Kampf gegen den Terror die Drohnen brauchten, wandten wir uns zuerst an einen unserer Verbündeten. Doch da erhielten wir keinerlei Unterstützung. Also versuchten wir, bei einem Land in unserer Region die Drohnen zu kaufen. Doch es gab Probleme beim Betrieb und bei der Instandhaltung, die uns klarmachten, dass hier böser Wille im Spiel war.“

Das Gefühl der Türkei, von ihren westlichen Bündnispartnern in Rüstungsfragen alleingelassen zu werden, hat tiefe Wurzeln, die viel weiter zurückreichen als nur bis zum Streit mit Israel über die Drohnen oder dem Krach um die deutschen Leopard-Panzer.

Als die Türkei im Jahr 1974 den Nordteil von Zypern besetzte, verstand sie das als Rettungsaktion für die türkische Minderheit auf der Insel; im Westen aber wurde die Intervention als aggressiver Akt gesehen. Ein Jahr nach der Militäraktion auf Zypern verhängten die USA deshalb ein Rüstungsembargo gegen die Türkei.

Dieser Schritt habe damals den Grundstein für die Entwicklung einer eigenen türkischen Rüstungsindustrie gelegt, sagt Ali Cinar, Chef der Turkish Heritage Organization, einer pro-türkischen Denkfabrik in Washington: „Aselsan, das erste Rüstungsindustrie-Unternehmen der Türkei, entstand im Zuge des Widerstandes gegen das Rüstungsembargo. In dieser Zeit schickte die Türkei eine klare Botschaft an die Welt: Ihr könnt der türkischen Nation vielleicht Steine in den Weg legen, aber aufhalten könnt ihr die Türkei niemals.“

Abnehmer sind etwa Turkmenistan, Oman, Pakistan

Insbesondere in den vergangenen fünf bis zehn Jahren hat die Türkei ihre Rüstungsindustrie systematisch ausgebaut. Ein aktueller Bericht des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri führt die Türkei auf Rang 14 der weltweit größten Rüstungsexporteure.

Die Waffenverkäufe des Landes wuchsen demnach zwischen 2015 und 2019 im Vergleich zu den fünf Jahren davor um 86 Prozent. Hauptabnehmer von Drohnen, Hubschraubern und anderen Waffen aus der Türkei sind laut Sipri Turkmenistan, Oman und Pakistan.

Für Präsident Erdogan sind nicht nur die Exporte wichtig, sondern auch die Eigenständigkeit der Türkei in Rüstungsfragen: „Wir haben beim Anteil der Eigenherstellung an unseren Rüstungsgütern bei 20 Prozent angefangen und sind mittlerweile bei einem Stand von 70 Prozent angekommen. Eines Tages werden wir an den Punkt kommen, an dem wir überhaupt nicht mehr auf andere angewiesen sein werden.“

Das Drohnen-Programm genoss beim Ausbau des türkischen Rüstungssektors besonders viel Aufmerksamkeit der Regierung. Dass Drohnenbauer Baykar Makina sehr enge Beziehungen zu Erdogan hat, kann dabei nicht geschadet haben: Selcuk Bayraktar, der Technologie-Chef des Unternehmens und treibende Kraft hinter dem Drohnen-Projekt, ist ein Schwiegersohn des Präsidenten.

Entscheidender militärischer Vorteil gegen PKK

Verwandtschaftliche Beziehungen mögen geholfen haben. Wichtiger bei der Entwicklung war, dass sich die unbemannten Fluggeräte für Ankara militärisch auszahlten. Die Drohnen verschafften der türkischen Armee einen entscheidenden Vorteil im Konflikt mit der kurdischen Terrororganisation PKK, die seit 1984 gegen den türkischen Staat kämpft.

Lange Zeit hatten sich kleine PKK-Trupps beinahe unbehelligt in den unwegsamen Bergen Südostanatoliens bewegen können, um Anschläge auf zivile Ziele und Überfälle auf türkische Militärposten vorzubereiten. Vor den Kampfflugzeugen und Hubschraubern der türkischen Armee konnten sie sich gut verstecken, doch die fast lautlosen Drohnen, die bei Tag und Nacht und aus großer Höhe ein Gebiet überwachen können, brachten die PKK in die Defensive.

Drohnen verschaffen dem türkischen Militär große Vorteile beim Kampf gegen die PKK in unübersichtlichem Gelände (picture alliance / Anadolu / Ozkan Bilgin)

Erdogan sieht deshalb im Einsatz der Drohnen einen Grund dafür, dass die PKK seit einiger Zeit unter starkem Druck steht: „Was den Kampf gegen den Terror angeht: Wenn wir nicht stark wären, dann hätten wir keine Kampfflugzeuge und keine Drohnen über die Berge Cudi, Gabar, Tendürek und Kandil schicken können. Aber jetzt dringen wir bis in ihre Höhlen vor und vertreiben sie, und sie suchen sich andere Löcher, um sich zu verkriechen.“

Im Kampf der türkischen Armee gegen die PKK konnten die türkischen Drohnen ihre Stärke ausspielen, sagt auch Ulrike Franke, eine Expertin für Kampfdrohnen an der Denkfabrik European Council on Foreign Relations in London: „Der wichtigste Vorteil der Kampfdrohnen für die Türkei ist, dass die Technologie es den Militärs erlaubt, ein Konfliktgebiet zu überblicken und Ziele zu identifizieren.“

Die Erfahrungen aus dem Einsatz der Drohnen im Kurdenkonflikt ermöglichten es der türkischen Rüstungswirtschaft, die Waffen weiter zu verbessern. Dies wiederum steigere die Attraktivität türkischer Rüstungsgüter auf dem internationalen Markt, sagt der türkische Verteidigungsexperte Burak Bekdil vom Middle East Forum in Philadelphia in den USA: „Manche dieser selbstentwickelten Waffensysteme wurden zuerst vom türkischen Militär gekauft und eingesetzt. Das verschaffte den Waffen den Status von kampferprobten Systemen. Diese Erfolgskette führte zu einem steilen Anstieg der Exporte von Rüstungsgütern und Fluggeräten.“

Neues geopolitisches Selbstbewusstsein

Im vergangenen Jahr erreichten die Waffenexporte ein Volumen von rund 2,75 Milliarden Dollar. Bis zum Jahr 2023, dem 100. Gründungsjubiläum der türkischen Republik, soll der Export auf mehr als zehn Milliarden Dollar im Jahr steigen, sagt Ali Cinar von der Turkish Heritage Organization in Washington: „Die Türkei will in der ersten Liga der Rüstungsbranche mitspielen und viele Rüstungsgüter weltweit verkaufen. Beispiele sind ein großes Hubschrauber-Geschäft der Türkei mit Pakistan und die Lieferung von Drohnen an die Armee der Ukraine. Das Ziel ist auch, mehr türkische Unternehmen auf der Liste der hundert weltweit größten Rüstungsunternehmen zu platzieren.“

Mindestens ebenso wichtig wie die militärischen und die wirtschaftlichen Aspekte des türkischen Rüstungsprogramms sind politische Überlegungen. Unter Erdogan hat sich das Selbstverständnis der Türkei grundlegend gewandelt. Das Land betrachtet sich nicht mehr wie früher als treuer Verbündeter des Westens, sondern als eigenständiger Akteur, der seine eigenen Interessen verfolgt — auch dann, wenn diese Interessen nicht mit denen Europas oder Amerikas übereinstimmen.

In jüngster Zeit bekam die EU die konkreten Folgen dieser neuen Selbstsicht zu spüren: Erdogan öffnete die türkische Landgrenze zu Griechenland für Flüchtlinge, um Europa unter Druck zu setzen. Spannungen gibt es auch im östlichen Mittelmeer, wo sich die Türkei gegen Pläne von Griechenland, Zypern, Israel und Ägypten für eine gemeinsame Förderung neu entdeckter Erdgasvorräte wehrt.

Mit den USA liegt die Türkei seit Jahren im Streit, weil Ankara den wichtigsten Partner der Amerikaner im Syrien-Konflikt — die Kurdenmiliz YPG — als Terrororganisation betrachtet. Wegen ihrer engen Zusammenarbeit mit Russland in Syrien weckte Erdogans Regierung im Westen die Sorge, die Türkei könne sich vollständig von Europa und Amerika abwenden.

Zankapfel YPG: Die USA sehen die kurdischen Kämpfer als Verbündete in Syrien, die Türkei als Terrororganisation. (imago / Carol Guzy)

Verstärkt wurde diese Befürchtung durch die Entscheidung der Türkei, das russische Flugabwehrsystem S-400 zu kaufen. Dass sich die türkische Regierung in dieser Frage gegen die amerikanischen Patriot-Raketen entschied, hatte nicht nur finanzielle Gründe. Ankara beharrte auf einem Technologie-Transfer, der es der Türkei ermöglichen sollte, in Zukunft eigene Abwehrsysteme zu entwickeln. Weil die USA diese Forderung ablehnten, Moskau nach Angaben der Regierung in Ankara den Technologie-Transfer jedoch erlaubt, bekam das russische System S-400 den Zuschlag.

Ziel, eine Regionalmacht zu werden

Dennoch: Eine Abwendung vom Westen sei nicht das Ziel der türkischen Außenpolitik, sagt Ali Cinar von der Turkish Heritage Organization in Washington: „Ich glaube nicht, dass die Türkei alle Brücken zum Westen abbrechen will. Die Türkei strebt nach wie vor die Mitgliedschaft in der Europäischen Union an. Auch will die Türkei ein wichtiger Handelspartner Europas und besonders Deutschlands sein. Doch wegen ihrer geostrategisch bedeutsamen geographischen Lage in der Region muss die Türkei gleichzeitig auch mit dem Osten zusammenarbeiten. Deshalb arbeiten die türkischen Rüstungsfirmen daran, bis zum Jahr 2023 völlig unabhängig von ausländischen Anbietern zu werden. Ohne wirksame militärische Abschreckung kann die Türkei ihr Ziel, eine Regionalmacht zu werden, nicht erreichen.“

Die Türkei baut ihre Streitkräfte auf allen Gebieten mit Eigenproduktionen aus. Die Luftwaffe soll Ende des Jahrzehnts ein selbst entwickeltes Kampfflugzeug erhalten — die Türkei braucht dringend einen neuen Kampfjet, weil die USA das Land wegen des Streits um die russische S-400 aus dem westlichen Kampfjet-Programm F-35 ausgeschlossen hat. Das neue Flugzeug ist zudem für den Export vorgesehen.

Im kommenden Jahr soll auch der erste türkische Kampfpanzer vom Band rollen. Die Landstreitkräfte erhalten ein türkisches Sturmgewehr, das die deutsche Waffe G3 ersetzen soll. Eine selbstentwickelte Haubitze ist bereits seit Jahren bei der türkischen Armee im Dienst. Bezahlt werden die ehrgeizigen Programme vor allem mit Steuergeldern. Das Budget für Armee und Polizei beträgt im laufenden Jahr umgerechnet rund 19 Milliarden Euro, das sind 16 Prozent mehr als 2019.

Auch die türkische Marine hat große Pläne. In den kommenden drei Jahren soll die derzeitige Flotte von 112 Schiffen um 24 neue verstärkt werden. Darunter soll die „TCG Anadolu“ sein, der erste Hubschrauberträger der Türkei. Das Schiff, das kommendes Jahr fertig sein soll, verkörpert die außenpolitischen Ambitionen der Türkei. Denn die „Anadolu“ wird nicht nur Hubschrauber und Drohnen an Bord haben, sondern auch amphibische Landungsschiffe und Geschütze. Damit wird die „Anadolu“ ein Instrument zur Machtprojektion im ganzen Mittelmeerraum.

Hard Power statt Soft Power

Verteidigungsexperte Bekdil verweist darauf, dass sich die türkische Außenpolitik immer stärker auf militärische Macht verlässt, also auf „hard power“, im Gegensatz zur „soft power“, der Einflussnahme über Diplomatie, Wirtschaft oder Kultur. „Was die außenpolitischen Implikationen angeht, würde ich sagen, es geht nicht nur um Unabhängigkeit von Rüstungslieferanten in Ost und West. Ein weiteres Ziel der türkischen Außenpolitik ist der Einsatz wichtiger Waffensysteme als Instrument im Umgang mit anderen Staaten. Die letzten zehn Jahre haben eine Menge Beispiele dafür erbracht, dass die ‚hard power‘ ein untrennbarer Bestandteil der türkischen Außenpolitik geworden ist.“

Um seine These zu untermauern, führt Bekdil die vier Militärinterventionen der Türkei im benachbarten Syrien seit dem Jahr 2016 an. Drei dieser Angriffe richteten sich gegen kurdische Kämpfer auf der syrischen Seite der Grenze. Der jüngste Einmarsch im Februar sollte in der Provinz Idlib die syrischen Regierungstruppen aufhalten. Im Norden des Iraks geht die türkische Armee regelmäßig gegen die PKK vor. Auch im Erdgas-Streit im östlichen Mittelmeer setzt Ankara auf Härte und hat Kriegsschiffe in die Region entsandt.

Neue Freunde macht sich die Türkei mit dieser Art der Außenpolitik nicht. Das Land liegt inzwischen mit fast allen Nachbarstaaten im Streit, auch im Nahen Osten hat Ankara keine Bündnispartner außer dem Emirat Katar. Die Beziehungen zu den USA und zu Europa sind ebenfalls angespannt, und die Zusammenarbeit mit Russland im Syrien-Konflikt stößt wegen Interessengegensätzen zwischen Moskau und Ankara in Idlib an ihre Grenzen.

„Drohnen sind kein militärisches Allheilmittel“

Diese Art von Problemen sind mit Waffen nicht zu lösen. Selbst im rein militärischen Bereich stellen die technologischen Erfolge türkischer Rüstungsingenieure für sich allein keine Erfolgsgarantie dar. Das wurde vor kurzem in Syrien deutlich, so die Drohnen-Expertin Ulrike Franke. In Syrien konnten die Drohnen zwar viele syrische Waffen zerstören: „Allerdings sind im Laufe der Gefechte auch einige türkische Drohnen abgeschossen worden. Also, offenbar stellen sich die Syrer auch auf die Drohnen ein.“

Drohnen sind kein militärisches Allheilmittel, sie werden auch abgeschossen. Dieses Stück Drohne wurde aus einem Verwundeten herausoperiert. (imago / Carol Guzy)

Die Türkei wird sich also nicht darauf verlassen können, dass ihre Armee wegen der modernen Drohnen auf Dauer einen Vorteil in bewaffneten Konflikten haben wird, sagt Franke: „Drohnen sind kein militärisches Allheilmittel. Es ist keine Technologie, die Streitkräften eine absolute Dominanz gibt.“

Vorerst jedoch dürfte die Türkei bei dem Grundsatz bleiben, dass eine schlagkräftige Rüstungsindustrie eine unabdingbare Voraussetzung für eine erfolgreiche Außenpolitik ist.

Foreign Policy Expert on U.S.-Turkey Relations, ME, Security, NATO, Transatlantic / Journalist / 2019 Ellis Island Medal of Honor Recipient www.alicinar.com

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